Steuerrecht

Das Thema „Steuern“ ist eines der wichtigsten des gesamten Erbrechts, denn sowohl die Zuwendung von Vermögen unter Lebenden ohne Gegenleistung (Schenkung) als auch der Erwerb von Vermögen nach dem Tod eines Menschen werden einheitlich nach dem Erbschaftsteuergesetz behandelt.

Danach gilt es Folgendes zu beachten :

  • Steuerpflichtiger Erwerb:jeder Erwerber versteuert nur dasjenige, was er erwirbt, also der Erbe sein Erbteil, der Vermächtnisnehmer den Wert seines Vermächtnisses, der Pflichtteilsberechtigte den Wert seines Pflichtteils.
    Hier sieht man, dass es besonders wichtig ist, den Wert des Nachlasses einerseits und die eigene Beteiligung andererseits strikt zu trennen und auch genau festzustellen. Hier ist äußerte Präzision gefragt und genau zu recherchieren!

  • Auslandsbeteiligung: Achtung: auch ein Erwerb von Todes wegen, der einem ausländischen Recht unterfällt, z.B. weil der Erblasser Ausländer war, kann im Inland Erbschaftsteuer auslösen! Haben Sie Ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Inland, so tritt die Steuerpflicht ein, unabhängig davon, ob Sie selbst Erblasser oder beispielsweise Erbe etc. sind! Dafür kommt es nicht auf die Staatsangehörigkeit an! Gerade bei Bezug zu einer ausländischen Rechtsordnung stellt sich oft die Frage, ob nicht möglicherweise dann eine doppelte Besteuerung (also im Inland und Ausland) eintreten kann. Ohne eine sinnvolle Gestaltung von Testamenten kann dies bei Ausländern in der Tat vorkommen, denn nur mit wenigen Staaten bestehen so genannte Doppelbesteuerungsabkommen, z.B. mit den USA, Schweden oder der Schweiz. Besteht also grenzüberschreitendes Vermögen bedarf es zwingend der Beachtung zivilrechtlicher und steuerlicher Problemstellungen! Hier hilft unzweifelhaft kein Formular der örtlichen Volksbank weiter!

  • Wertbemessung: Alle Werte sind auf den Tag des Erwerbs, das ist regelmässig der Todestag, zu errechnen. Hier sind besonders Auskünfte von Banken von großer Bedeutung, denn bei Wertpapieren (Depots!) ist somit auf den genauen Todestag der Wert bekannt zu geben.

    Die Details der Ermittlung von Nachlasswerten sollen hier nicht ausgebreitet werden, denn das dafür einschlägige Bewertungsgesetz unterscheidet zwischen so vielen unterschiedlichen Vermögensarten, dass dies den hiesigen Rahmen sprengen würde! Nur so viel: selbstverständlich sind auch Verbindlichkeiten abzuziehen, wie Schulden des Erblassers selbst und auch Kosten der Nachlassregelung, pauschal sogar hierfür 10.300,-- €!!

  • Steuerbefreiungen: Steuerfrei bleiben tatsächlich auch einige Dinge, die dann also bei der Wertbemessung nicht aufzunehmen sind: so bleibt z.B. der Hausrat bei bestimmten Erben (Klasse 1, dazu später) bis zu 41.000,-- € unberücksichtigt!!

    Bei dem Erwerb des Familienwohnheimes durch einen Ehegatten vom anderen Gatten bleibt sogar der gesamte Erwerb steuerfrei!

    Dies ist ein wichtiger Gestaltungsfaktor bei der Testamentserrichtung und Gestaltung im Vorfeld, denn bedenken Sie, in welchem Umfang hier unter Beibehaltung der sonstigen Freibeträge hier bereits Steuern gespart werden können, wenn nur die beste Gestaltung gewählt wird!

  • Steuerklassen: es gibt drei Steuerklassen, unterteilt nach der Nähe der Beteiligten zueinander (zumindest nach der Vorstellung des Gesetzgebers von Nähe!): Klasse 1 beinhaltet Ehegatten, Kinder (und Stiefkinder!), Enkel und Urenkel sowie Eltern und Voreltern (also Groß- und Urgroßeltern) bei Erwerb von Todes wegen! Klasse 2 erfasst Eltern und Voreltern bei Schenkungen, Geschwister, Stiefeltern und sogar den geschiedenen Ehegatten! (Aber Achtung: dadurch erlangt der geschiedene Ehegatte nicht etwa ein gesetzliches Erbrecht! Nur wenn er beispielsweise durch Testament etwas erwirbt, unterfällt er der 2. Klasse). Und in die 3. Klasse fallen alle anderen Erwerber.

  • Freibeträge: diese orientieren sich auch wiederum vorweg an den Steuerklassen, darüber hinaus aber auch an den Näheverhältnissen: während der Ehegatte 307.000,-- € steuerfrei erhalten kann, erlangen die Kinder (auch Stiefkinder) je 205.000,-- € steuerfrei (ggfs. auch Enkel), andere Erewerber aber nur 51.200,-- €! In der Klasse 2 stehen nur noch 10.300,-- € frei zur Verfügung, in Klasse 3 wird der Erwerb sogar nur zu 5.000,-- € steuerfrei sein. Auch hieran erkennt man unschwer, dass bei Vermögensmassen, die über den Freibeträgen liegen, sinnvolle Übertragungen und Gestaltungen unverzichtbar sind, denn es kann schlicht keinen Sinn machen, das zu Lebzeiten unter hohen Steuerlasten erworbene Vermögen im Übertragungsfall wieder mit Steuern belastet zu finden!

  • Besonderer Versorgungsfreibetrag: nicht zu vergessen: Ehegatten profitieren noch von einem besonderes hohen Versorgungsfreibetrag von 256.000,-- €, der allerdings eine Kürzung bei Versorgungsbezügen erfahren kann. Auch Kinder erhalten, wenn auch sehr viel geringer und nach Alter gestaffelt insoweit Freibeträge, was erneut die Notwendigkeit des Handelns offenbart, wenn erhebliche Vermögenswerte vorhanden sind.

  • Steuersätze: diese werden in den einschlägigen Tabellen mit Prozent des steuerpflichtigen (die Freibeträge überschreitenden) Werten des eigenen Erwerbs von im günstigsten Fall 7 % bis 50 % im worst case festgeschrieben. In der Regel sollte der Blick auf die Steuersätze tatsächlich der letzte Blick sein, denn bevor hieran ein Gedanke verschwendet wird, ist erst viel Rechenarbeit gefragt.

  • Gestaltungstipps: die finden Sie – mit Hinweisen auf grausame, immer wieder festzustellende Fehler in Ehegattentestamenten – unter dem Button „Testamentsgestaltung“.
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