Erwerbstätigkeit nach Scheidung - Rechtsanwalt Mainz - Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz, Lymperidis Mainz, Wiesbaden und Frankfurt

Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz. Rechtstipps zum Thema Familienrecht – Ehegattenunterhalt.

Rechtsgebiet: Familienrecht
Autor: Windisch
Datum: 2004/08

Verpflichtung zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit nach Scheidung

Im Unterhaltsrecht besteht grundsätzlich die Verpflichtung, dass jeder Ehegatte nach der Scheidung durch eigene Erwerbstätigkeit für seinen Unterhalt aufzukommen hat. Das bedeutet, dass vom Zeitpunkt der Trennung an bis zum Erlass des Scheidungsurteils so genannter Trennungsunterhalt zwar verlangt werden kann, jedoch ab Scheidungsurteil die unterhaltsbedürftige Partei selbst einer Arbeit nachgehen muss (es sei denn, der oder die Unterhaltsberechtigte betreut Kinder). Das Oberlandesgericht Hamm hat jetzt entschieden, dass ggf. dann, wenn die Ehefrau über einen längeren Zeitraum (hier fast 30 Jahre) nicht mehr berufstätig war, ihr bis zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit eine Übergangszeit zu bewilligen ist, die ca. 1 Jahr bemisst. Dabei wird berücksichtigt, dass die unterhaltsbegehrende Ehefrau wieder in das Berufsleben zurückfinden und Berufserfahrung sammeln muss, um realistische Chancen auf Ausübung einer vollschichtigen Erwerbstätigkeit zu haben. Bei der Prüfung der Fragen, welche Tätigkeit als angemessen anzusehen ist, ist eine umfassende Abwägung aller Umstände vorzunehmen, wobei Ausbildung, Berufsabschluss und Berufspraxis eine Rolle spielen. Es wird davon ausgegangen, dass der Wechsel von langfristiger Hausfrauentätigkeit zurück in das Berufsleben nur über die Aufnahme einer Teilzeitbeschäftigung erfolgen kann. Dieser Schritt ist aber nicht ohne die Zubilligung der oben erwähnten angemessenen Übergangszeit möglich.





RA Sebastian Windisch