Auslandschuljahr - Rechtsanwalt Mainz - Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz, Lymperidis Mainz, Wiesbaden und Frankfurt

Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz. Rechtstipps zum Thema Familienrecht – Kindesunterhalt

Rechtsgebiet: Familienrecht
Autor: Windisch
Datum: 2006/06

Unterhaltsrecht: Auslandschuljahr eines Gymnasiasten als Sonderbedarf?

Es wird tagtäglich im Unterhaltsrecht um die Frage gestritten, welche Kosten vom barunterhaltspflichtigen Elternteil zusätzlich zum Kindesunterhalt finanziert werden müssen. In einer Entscheidung des OLG Schleswig hatte eine Gymnasiastin vom ihrem barunterhaltspflichtigen Vater neben dem Kindesunterhalt Sonderbedarf dergestalt geltend gemacht, dass vom Vater auch die Kosten für ein 10-monatiges Austauschprogramm in den USA zu finanzieren seien. In erster Instanz hatte das Amtsgericht die Kosten für den Auslandsaufenthalt der Gymnasiastin als Sonderbedarf angesehen und ging bei Leistungsfähigkeit des Unterhaltspflichtigen grundsätzlich von einem zusätzlichen Unterhaltsbedarf aus. Dem stimmt das OLG nicht zu: Zwar handelt es sich bei dem Auslandsaufenthalt um einen unregelmäßigen Bedarf, der außergewöhnlich hoch ist - Voraussetzung für die Beteiligung des Unterhaltspflichtigen an den Kosten ist aber außerdem, dass es sich aus der Sicht eines objektiven Betrachters um erforderliche Ausgaben zur Deckung des notwendigen Lebensbedarfs handelt.
Der Auslandsaufenthalt ist bei dem Erwerb guter Englischkenntnisse sicherlich förderlich und damit auch sinnvoll, dennoch überschreitet er den angemessenen Ausbildungsunterhalt des Kindes. Zum Erwerb guter Englischkenntnisse ist ein 10-monatiger USA-Aufenthalt nicht unbedingt erforderlich, da die Schüler deutscher Gymnasien auch in normalem Sprachunterricht ausreichend gefördert werden. Auch stellen Schüler, die an langfristigen Austauschprogrammen in die USA, nach Kanada oder Australien teilnehmen nicht die Regel, sondern nach wie vor eine Ausnahme dar. Der barunterhaltspflichtige Vater muss sich daher an diesen Kosten nicht beteiligen.


Sebastian Windisch
Rechtsanwalt
Tätigkeitsschwerpunkt Familien- und Strafrecht