Grundstücksschenkungen - Rechtsanwalt Mainz - Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz, Lymperidis Mainz, Wiesbaden und Frankfurt

Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz. Rechtstipps zum Thema Immobilienrecht.

Rechtsgebiet: Immoblienrecht
Autor: Renz
Datum: 2006/11

5 vor 12 - Situation bei Grundstücksschenkungen

Das noch geltende System der Besteuerung von Schenkungen und Erbschaften bei Grundstücken steht vor einer gravierenden Änderung. Bis zum Ende des Jahres 2006 wird ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts erwartet. Dann soll Schluss sein mit der Ungleichbehandlung von Immobilien oder Unternehmen auf der einen Seite und der Übertragung von Bargeld bzw. Wertpapieren auf der anderen Seite. Derzeit werden bei der Ermittlung der Schenkungs- bzw. Erbschaftssteuer lediglich 60 % des Verkehrswerts eines Grundstücks angesetzt. Die Basis soll auf 100 % angehoben werden. Folgendes Beispiel soll die Auswirkungen verdeutlichen:

Wenn eine Familie zurzeit ein Haus mit einem Verkehrswert von 300.000,00 € auf ein Kind übertragen möchte, werden nach derzeitiger Rechtslage davon ungefähr 60 % bei der Schenkungssteuer angesetzt, d.h. es wird ein Wert von 180.000,00 € angesetzt, der somit unter dem Freibetrag der Steuerklasse I liegt. Eine Steuer entsteht nicht. Nach der zu erwartenden Neuregelung wird nicht mehr der Bedarfswert in Höhe von 60 % angesetzt, sondern der volle Verkehrswert und somit 300.000,00 €. Der Freibetrag der Steuerklasse 1 wird um 95.000,00 € überstiegen, anzuwenden ist ein Steuersatz von 11 %. Infolge dessen entsteht eine Steuerlast in Höhe von 10.450,00 €.

Dieses Beispiel verdeutlicht den dringenden Handlungsbedarf bei angedachten Vermögensübertragungen, denn wenn das Urteil des Bundesverfassungsgerichts verkündet ist, besteht grundsätzlich kein Vertrauensschutz für die Betroffenen mehr. Dieses Urteil dient dann als „Steilvorlage“ für die Regierung, die eine gesetzliche Neuregelung auf den Zeitpunkt des Urteils zurückwirken lassen kann.

Es ist sinnvoll und geboten, Steueroptimierungsmodelle mit Ihrem Steuerberater durchzusprechen. Stets sollte dabei die familiäre Situation gründlich erörtert werden, um eine maßgeschneiderte Lösung zu finden.




RA Andreas Renz