Umschulung - Rechtsanwalt Mainz - Kanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz, Lymperidis Mainz, Wiesbaden und Frankfurt

Rechtsanwaltskanzlei Vollmer, Bock, Windisch, Renz. Rechtstipps zum Thema Steuerrecht.

Rechtsgebiet: Steuerrecht
Autor: Renz
Datum: 2003/08

Umschulung, Praktikum und Promotion jetzt als Werbungskosten absetzbar!

Viele haben sich sicherlich schon gefragt, ob nicht die Kosten für eine Umschulungsmaßnahme, ein Praktikum oder etwa die Kosten einer Promotion als Werbungskosten abzugsfähig sein können. Schließlich bereiten alle diese Maßnahmen in der Regel auf eine sich daran anschließende Erwerbstätigkeit vor.

Nachdem der Bundesfinanzhof in seiner Rechtsprechung zur steuerlichen Abzugsfähigkeit von Ausbildungskosten in den letzten Monaten eine Kehrtwende vollzogen hat, folgen nun auch einige Finanzgerichte mit großzügigeren Entscheidungen. Der Bundesfinanzhof hat in einer grundlegenden Entscheidung festgestellt, dass Aufwendungen für Bildungsmaßnahmen auch dann uneingeschränkt steuerlich berücksichtigungsfähig sind, wenn ein völlig neuer Beruf erlernt wird und die Kosten beruflich veranlasst sind. Nach der früheren Rechtsprechung war hier nur ein eingeschränkter Abzug der Kosten als Sonderausgaben möglich. Heute spielt es keine Rolle mehr, ob die Bildungsmaßnahme die Grundlage für ein neues Berufsfeld schafft oder einen Berufswechsel vorbereitet. So hat der Bundesfinanzhof auch entschieden, dass die Aufwendungen für ein berufsbegleitendes Erststudium als Werbungskosten abgezogen werden können. Er hat weiterhin entschieden, dass Aufwendungen für Umschulungen dann zu den voll abzugsfähigen vorweggenommenen Werbungskosten gehören, wenn bereits eine dauerhafte Berufstätigkeit vorlag.

Das Finanzgericht Münster hat nun die Aufwendungen für ein studienbegleitendes Praktikum ausnahmsweise als Werbungskosten anerkannt, wenn ein konkreter Zusammenhang mit späteren Einnahmen besteht. In die gleiche Richtung geht eine Entscheidung des Finanzgerichts Köln, die Promotionskosten eines wissenschaftlichen Mitarbeiters an der Universität als Werbungskosten ansieht.

Letztlich ist hier die Rechtsprechung noch im Fluss, jedoch wird in allen Entscheidungen immer darauf abgestellt, dass vorweg genommene Werbungskosten vorliegen können, wenn sie konkret auf die Anstellung bei einem bestimmten Arbeitgeber hinzielen und auch zu einem solchen Erfolg führen.

Wichtig ist es, die etwa in Frage kommenden Aufwendungen im Jahr der Verausgabung in der jeweiligen Einkommensteuererklärung geltend zu machen.



RA und Dipl.-Finanzwirt (FH) Andreas Renz
Sozius der Kanzlei Dr. Ehling & Kollegen